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Was für eine große Ehre, den Senior Lehrer und Buddhistischen Mönch „Kk“ kennenzulernen und vor der Kamera interviewen zu dürfen.

Er unterrichtet in Chiang Mai im Wat Suan Dok Temple und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen auch aus anderen Ländern die buddhistische Lehre näher zu bringen. Dafür hat er sogar die kostenfreien One-Day Meditation Retreats ins Leben gerufen, die er in seiner „Freizeit“ realisiert.

Ich durfte einen kompletten Tag miterleben und mit vielen Vorurteilen aufräumen.

Denn unabhängig vom gemeinsamen Meditieren, hat er uns in einem Monk-Chat (einem offenen Gespräch) auch über die Missverständnisse, aufgeklärt, die es zum Buddhismus in der europäischen Kultur gibt. Und das ist auch Thema dieses bewegenden Interviews.

Die Chance zu haben, ihn -also einen Mönch – vor die Kamera zu bekommen ist keine Selbstverständlichkeit .… Deshalb an dieser Stelle nochmal: großen Dank!

Und nun auf zu den Fragen… 😉

Was ist der Monk Chat?

 

Mönch: Der Monk Chat wurde im Jahr 2000 gestartet, das ist vor fast 20 Jahre. Die Idee kam von einem Mann aus dem Westen, der aus Amerika stammt, sein Name ist David. Und er konnte die Idee zu einem älteren Mönch an unserer Universität bringen. Sein Name ist Dr. Smae. 

Es gibt drei Hauptziele des Monk Chats. Das erste: Damit die Mönche Englisch lernen, okay? Wir können ganz einfach zum Monk Chat gehen und unser Englisch üben. Dann können die Ausländer, die wirklich bereit sind, mehr über buddhistische, mönch-ähnliche Meditation zu erfahren, zum Monk Chat gehen und von den Mönchen lernen. 

Es ist eher ein Veränderungsprogramm, ein Kultur- und ein Sprachaustauschprogramm, dass bestrebt ist, den Buddhismus in der Welt zu verbreiten, weißt Du?

Das sind drei Hauptgründe, warum wir den Monk Chat haben. 

Was ist das größte Missverständnis, dass die Europäer in Bezug auf den Buddhismus haben?

Mönch: Nun, die meisten Europäer oder Westler kennen sich vermutlich mit dem Buddhismus nicht aus. Als sie nach Thailand kamen, als sie viele buddhistische Tempelbilder und Mönche sahen, denken sie oft, dass es sich im Buddhismus um eine Religion handelt, weil wir den Buddha so verehren. Sie denken, wir “beten” zu einem sogenannten “Buddha”. 

“Beten” ist etwas, dass in Religionen passiert, weißt du? Man könnte also meinen, dass Buddha ein gütiger Gott ist.  Doch das ist es, was sie missverstehen.

Denn eigentlich ist Buddha gar kein Gott.

Wer oder was ist dann der Buddha? 

 

Mönch: Buddha bedeutet einfach gesagt die “Erleuchtung” eines Aufgewachten. Einer der erwacht oder erleuchtet ist von all den Befleckungen wie Gier, Wut, Wahn, Hass, weißt du? So wie ein Erleuchteter oder Erwachter einfach “Buddha” genannt wurde, ist der bekannte Buddha ein Mensch. Er wurde 623 v. Chr. geboren. Er war ein Prinz. Sein Name ist Prinz Siddhārtha Gautama.. 

Was sind die wichtigsten Punkte der buddhistischen Philosophie?

 

Guest: Ja, wie du es schon sangst: Der Buddhismus ist eher eine Philosophie oder ein Weg zu leben. Er basiert nicht auf einen Glauben oder der Überzeugung. Er basiert auf der Untersuchung oder Überprüfung Deiner Lebensweise. Wie Du die “Wahrheit” akzeptieren kannst und lernst, diese nicht festhältst oder verdrängst. 

Ich weiß nicht, ob du die Hauptlehre Buddhas gehört hast oder nicht. Diese sind, die vier edlen Wahrheiten und der edle achtfache Pfad, der Pfad der Erleuchtung oder das Nirvana.

Insgesamt ist der Buddhismus also eine praktische Methode, um sich vom Leiden zu befreien.

Interviewer: Also, wenn ich einen Schmerz habe, dann kann ich diesen spüren…

Mönch: Ja.

Interviewer: … aber ich kann auch lernen ihn loszulassen. Anstatt daran festzuklammern? 

Mönch: Ja. 

Interviewer: Das ist das, was der Buddhismus lehrt? 

Mönch: Ja, vor allem in der Meditation. Weißt Du, das “Leiden” ist die “Wahrheit”. Egal ob du Deutsche, Christ, oder Buddhist bist. Egal was du bist, wer du bist, was du glaubst, manches Leiden ist eine Wahrheit. Du solltest lernen, die Wahrheit zu akzeptieren und wie Du sie “Sein” lassen kannst, wie man sie loslässt und nicht darüber nachdenkt. Wenn du also Vipassana oder eine Insight-Meditation praktizierst, hilft es dir, deine Weisheit zu entwickeln. 

Du bekommst das richtige Verständnis, die richtigen Gedanken. Wenn du meditierst, beruhigst du deinen Geist, indem du dich auf das Atmen und das Auf- und Absteigen des Bauches konzentrierst. 

Nach einer Weile bekommst du Schmerzen. Man muss also den Schmerz akzeptieren – und darf sich dann nicht damit beschäftigen und ihn nicht festhalten.

Sondern: Einfach nur sein lassen und ihn loszulassen.

Man muss seinen Geist wieder auf das “Konzentrieren” konzentrieren. 

Nach einer Weile ist der Schmerz weg. Doch dann kommt er wieder. Dann akzeptierst du ihn wieder und lässt ihn gehen, weißt du? 

Wenn du das tust, verstehst du drei Dinge der Meditationspraxis.  

Wir haben aniccā, dukkha, anattā.

Diese bedeuten: 

  1. Unbeständigkeit
  2. Alles ist Veränderung, 
  3. Leiden ist eine Wahrheit. 

 Aber wenn du nicht über das Leiden nachdenkst, wird es nicht auf das “Ich” bezogen. Du wirst das Leid nicht auf dich beziehen. Und somit nicht anhaften. 

Du siehst, Deine Gefühle, Deine Emotionen, Deine Gedanken können positiv oder negativ sein. Eigentlich definieren diese nicht, wer du bist. Es sind nur Gefühle, die kommen und gehen. Aber das Problem, an dem wir festhalten: Wir haften uns an. Das verursacht, dass wir Leiden. 

Interviewer: Das ist wohl ein wichtiger Punkt. 

Guest: Ja, es ist ein wichtiger Punkt, die Wahrheit zu akzeptieren. 

Interviewer: Wen ich zurück zur ersten Frage gehen darf…

Können wir eine Religion haben und zeitgleich die buddhistische Lehre praktizieren?

 

Mönch: Gute Frage. Weißt Du, in der Kernlehre Buddhas geht es nicht um den Glauben. Es gibt keinen Schöpfer oder Schöpfungen, weißt Du? Deshalb wird es als Philosophie oder Lebensweise betrachtet. Wie wir vorhin schon erwähnt. 😉

Wenn du dir aber die Kultur in Thailand oder in einem anderen buddhistischen Land anschaust, ist das für sie eine Art Religion, weißt du? 

Aber die Kernlehre handelt nicht vom Glauben. Deshalb könntest Du buddhistisch-christlich, buddhistisch-jüdisch, buddhistisch-islamisch sein, was auch immer. Im Grunde hat der Buddhismus die Menschen nicht bekehrt. Du musst  kein Buddhist sein, um Buddhas Lehren zu folgen, weißt du?

Nun wenn es kein Beten ist, was die Thais in den Tempeln machen, was tun sie dann?

 

Mönch:  Nun, es ist eher “wie” ein Gebet, weißt du? Du kannst ja sehen, wie sie wir vor den Buddha-Bildern in eigener Sprache etwas vor sich hin sagen, es ist eine Art zu beten, okay? Aber genau genommen, ist es kein “Beten”.

Wie sollen wir im Buddhismus beten, wenn es keinen Gott gibt? Buddha ist kein Gott.

Also heißt es nicht “beten”. 

Es sieht zwar aus wie ein Gebet, es klingt auch wie ein Gebet, aber es heißt Chanting (Singen) oder Mantra.

Es hat zwei Bedeutungen. 

Lass mich dir diese nennen, damit es alles mehr Sinn macht. 

In der Buddha-Zeit vor etwa 2600 Jahren, hatte er seine Lehren nie niedergeschrieben. 

Nach langer Zeit, als Buddha verstarb, übersetzten seine Schüler, seine mündlichen Unterweisungen in schriftlicher Form.Und das von Generation zu Generation.

So singen (wir buddhistischen  Mönche) zweimal täglich, um die buddhistischen Lehren auswendig zu lernen. 

 

Aber der Geschichten zufolge haben wir nun die buddhistischen Schriften. Wir können all das sehen. Es ist lange her, als Buddha gestorben ist. Seine Schüler haben das übersetzt, was ich dir heute gesagt habe. Aber insgesamt, von Buddhas Zeiten bis jetzt, als es keine schriftlichen Lehren gegeben hat, haben wir die Lehren gesungen, um diese auswendig zu lernen. Oder du kannst auch Mantra-Meditation sagen. Sie ist ein Teil der Meditation.

Solange du in verschiedenen Melodien und Ebenen singst, solange wirst du keinen “Monkey-Mind” bzw. keine Gedanken haben.

Du kannst dich leicht konzentrieren. Du kannst dich konstanter konzentrieren. Deshalb machen wir das. Es ist kein “beten”.

Und dasselbe, wenn Du einen buddhistische Mönch oder Menschen auf den Knien sitzen siehst,  vor dem Buddha-Bild (das sieht in etwa so aus,… *Verbeugungs-Pose*)

… Dreimal. 

ist es eher wie eine Anbetung. Es heißt jeodoch nicht Anbetung. Wie soll ich denn auch beten? Es gibt keinen Gott. Buddha ist kein Gott. Wir sollten den Buddha also nicht anbeten.

Es wird “Verbeugen” genannt, um Respekt zu zeigen. 

 

Auf thailändisch nennen wir es “wai”. Wai Phra bedeutet, sich dreimal vor Buddha zu verneigen, um Respekt zu zeigen. Mit der erster Verbeugung, zeigen wir Buddha Respekt als Erleuchteten oder großartigen Lehrer. Mit der zweiten Verbeugung, vor seinem Unterricht. Und mit der dritten Verbeugung, vor den Schülern oder seinen Anhängern. 

Und es ist Teil der thailändischen Kultur.  

Wir verneigen uns nicht nur vor Buddha, wir verneigen uns auch voreinander gegenseitig. 

Es ist egal wer du bist. Wenn du mit Thailändern sprichst, wirst du sehen, dass sie es tun.

Das ist, was wir tun. Es ist keine Anbetung.

Interviewer: Das ist wirklich ein schöner Weg. Nun habe ich auch noch eine Frage gestern aufgeschrieben, die im Monk Chat aufkam.. Es geht um die Superkräfte.

Mönch: Ja.

Interviewer: Wen ich zurück zur ersten Frage gehen darf…

Hast Du besondere Kräfte, auf Grund des Meditierens bekommen?

 

Mönch: Nun, das Meditieren trainiert deinen Geist. Und es ist der Wille deines Geistes, deine Weisheit zu entwickeln. Wenn du also Weisheit entwickelst, verstehst du die Wahrheit der Natur. Es ist eine Art Superkraft, okay?

Ich glaube daran, dass wenn du meditierst, du eine Superkraft deines Geistes erlangen kannst.

Deshalb, lass uns über Buddha sprechen. 

Er wurde erleuchtet. Es ist eine Art Superkraft, wegen der Meditationspraxis und der Weisheit, okay?

Insgesamt möchte ich sagen, dass das Meditieren, das Konzept der mentalen Entwicklung ist. 

Wenn du meditierst, kannst du eine bestimmte Gedankenkraft bekommen, weißt du? Wenn du mehr und mehr am Üben bist, dann kannst du auch die Superkraft deiner Gedanken erlangen.

Interviewer: Aber was heißt das genau?

Was ist der Unterschied zu einem “normalen Geist”?

 

Mönch Ja. Wenn wir beispielsweise nicht meditieren, ist unser Geist normalerweise immer in Eile und sehr beschäftigt. Das ist das, was wir als “Monkeymind” (Affengeist) bezeichnen. Viel Stress, viele Sorgen, Anspannungen, Angstzustände, Depressionen formen uns. Natürlich leiden wir dann. Wir haben keinen inneren Frieden, wenn wir diese Art von Gedanken haben.

Aber wenn du meditierst, hast du so etwas nicht. Du siehst, der Geist kann durch Meditation sehr mächtig werden. Zumindest hast du den Frieden im Kopf. Weißt du, wir haben den inneren Frieden.

Kannst du dir das vorstellen?

Kannst du dir vorstellen, wie stark und mächtig Meditation sein kann, um deinen Geist zu beruhigen und zu entspannen?

Das wollte ich teilen. Das ist der Grund, warum viele Leute sagen, Meditation sei eine Art Medizin für den Verstand.

Ist es auch möglich die Welt und das was mit anderen Menschen passiert, besser zu verstehen, wenn ich mehr meditiere?

Mönch: Nun, ich glaube es. Meditation entwickelt einen Großteil deines Verstandes, so wie die Weisheit und viele andere Dinge. Und wenn du meditierst,  bekommst du auch den sechsten Sinn, weißt du? Das ist der Grund, warum du mental, sehr scharf werden kannst. Also ja, ich glaube es.

Wenn du meditierst, wird dein Verstand scharf, dein Gedächtnis (deine Merkfähigkeit)  wird besser.

Meditation kann auch sehr helfen, wenn du körperliche Probleme hast.

Sagen wir, es gibt eine Frau, die ich getroffen habe, sie hatte Krebs und sie meditierte viel, so mental, sehr ruhig und friedlich. So geistig friedlich, bis sie fähig war, ihren  physischen Krebs heilen zu können. Jetzt hat sie ein wunderschönes Leben.

Interviewer: Danke.

Mönch: Ja.

Interviewer: Okay, nur noch eine Frage.

Mönch: Ja

Gibt es da noch etwas, dass du den anderen Menschen da draußen sagen möchtest?

 

Mönch: Nun, ich möchte sagen, dass du versuchen sollst.

…gut zu denken

…gut zu sprechen 

…und Gutes zu tun. 

Egal an welche Religion du glaubst, ob du männlich oder weiblich bist oder transsexuell.

Du wirst ein gutes und glückliches Leben führen. 

Und versuche dein Leben in Balance zu bringen – aber übe dich darin. 

Denn wenn du dich nie änderst, wird sich nichts in deinem Leben ändern. 

Manchmal wissen wir, dass etwas nicht gut für uns ist, aber wir tun es trotzdem. Also, wer leidet eigentlich?

Du bist derjenige, der leidet. 

Deshalb versuche ich, euer Leben in Balance zu bringen, indem ich mit euch moralisches Training praktiziere. 

Dann trainieren wir eure mentalen Fähigkeiten, um den Geist zu reinigen, um den inneren Frieden zu erlangen und die Natur zu verstehen.

Das Gesetz der Natur. 

Deshalb möchte ich wirklich empfehlen, den “Edlen Achtfachen Weg” zu lernen, den wir den “Mittleren Weg” nennen. 

Und ich möchte den Leuten wirklich sagen:

Egal wer du bist, was du glaubst, liebe dich selbst,

wenn du andere lieben und dein Leben genießen willst:

Versuche also zu vermeiden, dass du anderen etwas Böses antust. 

Teile deine Güte, dein Mitgefühl, deine Liebe, deinen Respekt und deine Vergebung in dir selbst und mit anderen.

Das ist das, was ich sagen möchte.

Und in unserem Leben kann alles passieren, weil alles unbeständig ist. 

Manchmal erwartest du etwas, aber du bekommst es nicht. Manchmal erwartest du etwas nicht, aber es passiert, weißt du? Deshalb sprechen wir von Unbeständigkeit.

Wenn etwas passiert, muss man die Wahrheit akzeptieren, egal ob es gut oder schlecht, positiv oder negativ ist. 

Aber versuche zu lernen, es nicht zurückzuhalten und nicht darüber nachzudenken. 

Weißt du, deshalb sagte Buddha: „Wegen des Leidens und wegen einer Anhaftung, kannst du begehren, du kannst Ehrgeiz haben, du kannst Ziele haben, du kannst Gefühle, Gedanken oder Emotionen haben und es ist in Ordnung. Aber wenn du daran anhaftest, wirst du gestresst sein.

Und ich wünsche allen Religionen dieser Welt: Buddhisten, Christen, Hindus, Juden, Muslimen, Sikhisten, allen Lebewesen… als meiner Person als Mönch, wünsche ich mir, dass alle Lebewesen oder Religionen auf dieser Welt, frei sind von allen Arten des Leidens, frei werden von ungesunden und bösen  und schlechten Dingen, sowie schlechten Taten. 

Ich wünsche allen Lebewesen ein langes Leben mit Frieden und Glück. 

Und ich wünsche, dass wir Frieden und Glück, uns selbst offenbaren.

Dass Frieden und Glück unseren Familien, unseren Freunden, Verwandten und allen Lebewesen offenbart werden. 

Und ich wünsche mir, dass alle Religionen auf dieser Welt frei von Kämpfen, Kriegen und Morden sind. 

Ich wünsche, dass alle Lebewesen glücklich und sicher sind. 

Und ich wünsche mir, dass alle Lebewesen, alle Religionen frei von Hass, Gewalt und Unwissenheit sind. 

Ich wünsche, dass dieser Welt Frieden und Glück offenbart werden. 

Und vielen Dank für das Teilen euer Zeit, Art und Mitgefühl, Liebe und Respekt.

 

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